Songtexte aus MITTEN INS BLAU

1405 DRUCKPfad JJB_CD DigiPak.inddNachtlied
Hinter allem ist ein Ort
Ach, in meinem wilden Herzen
Sommerlied
Zugvögel
Es ist Nacht
Nähe des Geliebten
Der Einsiedler
Fröhliches Notturno
Zum Einschlafen zu sagen

 

Nachtlied

Georg von der Vring

Sage, hast du das Gras erdacht,
Oder war es ein anderer Meister?
Ich habe nur dies und das gemacht,
Aber hätt ich das Gras erdacht,
Wäre ich wohl ein anderer Meister.
Einsame Nacht,
In eine Glockenblume zu gehn,
Mitten ins Blau verwehn –

Sage, hast du den Flieder erdacht,
Oder war es ein anderer Meister?
Ich habe nur kleine Lieder gemacht,
Aber hätt ich den Flieder erdacht,
Wäre ich wohl ein anderer Meister.
Einsame Nacht,
In eine Mohnblume einzugehn,
Mitten ins Rot verwehn –

Sage, hast du den Schlummer erdacht,
oder war es ein anderer Meister?
Ich habe nur Freude und Kummer gemacht,
Aber hätt ich den Schlummer erdacht,
Ware ich wohl ein anderer Meister.
Einsame Nacht,
In deine Fernen einzugehn,
Mitten ins Weltenwehn.
Gute Nacht.

Hinter allem ist ein Ort

Jorinde Jelen

In meinem Boot aus Holz
Sitz ich und rudere gegen
Meinen müden Stolz
Wieder dir entgegen

Bist schön wie der Tag
Laut wie der Sturm
Still wie ein Grab

Auf deinem Meeresgrund
Sucht mein Anker Halt
Doch nach der Sandbank kommt
Eine Strömung kalt

Hinter allem ist ein Ort
Wo wir uns wieder finden
Mein Leuchtfeuer wird dich
Nach Hause bringen

Im alten Leuchtturm dort
Wohne ich
Ich weiß, mein Licht
Findet dich

Ach, in meinem wilden Herzen

Oder
Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
Rainer Maria Rilke

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
Sie zu halten, wäre das Problem.
Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben,
wo ein endlich Sein in alledem?

Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen
jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt:
Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,
und das willig Liegende verschwimmt –

Berge ruhn, von Sternen überprächtigt;
aber auch in ihnen flimmert Zeit.
Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt
obdachlos die Unvergänglichkeit.

Sommerlied

Heinz Kahlau

Durch deine Haare seh ich Himmel scheinen.
Auf deiner Haut liegt Sonne, und der See hat
zwischen deinen braunen Armen Wellen,
und rings um deinen nackten Fuß ist Klee.

Dort wo du hinschaust, geht ein Wind vorüber,
die Bäume über dir sind von ihm voll.
In deinen Händen riecht die Luft nach Ernte,
als ob die Zeit der Reife kommen soll.

Ich seh dich an und seh durch dich den Sommer.
Ich bin der Gast in dieser Sommerruh.
Ich möchte so noch gerne etwas bleiben.
Der Sommer meint es gut mit mir. Wie du.

Zugvögel

Holger Teschke

Zwei Zugvögel
Sind wir geworden
Hoch über Land und Meer
Sind wir einander begegnet
Von fremden Ufern her

Wir suchen in Stürmen und Stille
Was uns zusammen hält
Verlieren es wieder und finden
uns am Ende der Welt

Ziehen über Wolken
Und über Wetter
Neben dem wechselnden Mond
Fragen nach Schnee nicht, noch Regen
Nicht, ob es sich lohnt

Es ist Nacht

Christian Morgenstern

Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält’s nicht aus,
hält’s nicht aus mehr bei mir.

Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.

Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.

Nähe des Geliebten

Johann Wolfgangvon Goethe

Ich denke dein,
wenn mir der Sonne Schimmer
vom Meere strahlt;
Ich denke dein,
wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich,
wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht,
wenn auf dem schmalen Stege
Der Wandrer bebt.

Ich höre dich,
wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen Haine geh’ ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir;
du seist auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt,
bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst du da!

Der Einsiedler

Joseph von Eichendorff

komm, Trost der Welt, Du stille Nacht!
Wie steigst Du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd,
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst Du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, Du stille Nacht!
Der tag hat mich so müd gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
lass ausruhn mich von Lust und Not,
Bis dass das ew’ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

Fröhliches Notturno

Siegbert Stehmann

Wolken blühn wunderlich
Sternlein im Nebelstrich
Mond fährt zur Nacht herein
Bist nicht allein

Bist nicht allein zur Nacht
Weil Herz dem Herzen wacht
Und Nebel, Stern und Mond
Mit bei dir wohnt

Wind geht am Tor vorbei
Ob es wohl offen sei
Springt übern Bretterzaun
Um nachzuschaun

Um nachzuschaun im Haus
Bläst er die Lampe aus
Huscht dir ums Haar und ach
Schon bist du wach

Siehe auf Tisch und Bank
Sitzt es die Wand entlang
Fliegt durch das Fensterglas
Niemand weiß, was

Niemand weiß, welche ein Ding
Blumenblatt, Schmetterling
Oder gar, aber nein,
schläfst wieder ein

Wind hat ja keine Ruh
Schlägt dir die Türe zu
Mond nimmt sein Wolkenkleid
S’ist Dunkelheit

S’ist Dunkelheit heut Nacht
Traum hat’s dir hell gemacht
Mond fährt auf schwankem Boot
Gen Morgenrot

Wolken blühn wunderlich
Sternlein im Nebelstrich
Tautropfen blitzt und blinkt
Die Amsel singt

Die Amsel singt so früh
Hat jedes seine Müh
Mond, Vogel, Stern und Wind
Und Menschenkind

Zum Einschlafen zu sagen

Rainer Maria Rilke

Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der Einzige sein im Haus,
der wüsste: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.

Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter wird Stille. Ich habe groß
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.

Songtexte aus Vermischung

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